M25-Ausschnitt

Ausstellung in Missenden Abbey

Am vergangenen Wochenende war Tag der offenen Tür in Missenden Abbey mit Ausstellung unserer Diploma-Arbeiten. Und mein Diplom habe ich auch bekommen – ein große Erleichterung nach so vielen Jahren der Fahrerei bei Wind und Wetter. Hier könnt ihr euch einige Bilder von unserer Ausstellung ansehen. Wir hatten diesmal die „Barn Hall“ bekommen, eine alte Scheune in der Abbey mit besonders schönem Ambiente.

So herrlich die Tage in England auch immer waren, mit all den Inspirationen und tollen Stick- und Designtechniken, so furchtbar und angstbesetzt waren die Hin- und Rückfahrten, besonders im Winter bei Dunkelheit, Schnee und Glatteis. Doch nach vielen qualvollen Stunden auf der Autobahn und stundenlangem Stop and go auf der berüchtigten M 25, der Autobahn um London herum, kam ich doch jedesmal in der Abbey an mit dem Gefühl, dass es die Sache wert war, denn dieser Weg führte ja schließlich immer wieder ins Paradies. Deshalb beschäftigte sich auch meine Abschlußarbeit mit diesem Thema: „There is a paradise in England called Missenden Abbey. But to get there you must go through hell – the M 25“.

Eine meiner Kursteilnehmerinnen fragte: „Da wächst man doch innerlich um einige Zentimeter, wenn man so ein Diplom hat, oder?“ Und ich möchte euch meine Antwort nicht vorenthalten, denn ich denke, sie hat mit uns allen zu tun:

Oh nein, eher im Gegenteil! Wir sind alle im Lauf der Zeit sehr realistisch geworden und haben eher gelernt, unsere Grenzen zu akzeptieren. Während wir am Anfang, also vor drei Jahren noch ganz stolz auf das Zertifikat waren und in Hochstimmung dachten „in den nächsten drei Jahren machen wir das Diploma und kommen dann gaaaanz groß raus“, sind wir inzwischen eher etwas ernüchtert.

Jede von uns hat weiter mit ihren Eigenheiten gerungen und keine von uns hat sich wirklich in die tolle Künstlerin verwandelt, die sie sein wollte. In den Augen der anderen vielleicht, aber nicht gemessen am eigenen Anspruch, den man an sich hat. Aber wir sind weitergekommen und haben uns und unsere Möglichkeiten besser kennengelernt. Barbara Deacon macht immer noch winzig und schrecklich ordentlich und wäre doch gerne größer und wilder geworden in ihren Werken. Aber ihre Arbeiten sind und bleiben so zierlich und artig wie sie selber. Bei Jeanette Guppy wird immer noch alles riesig und wild. Und bei mir ist das „von allem zu viel“ geblieben. Ich hatte auch diesmal wieder den größten Tisch und er hätte sich gebogen, wenn nicht Janet Edmond gekommen wäre und wieder einiges aussortiert hätte, weil ich selber in all den Jahren nicht gelernt habe, mich irgendwie zu reduzieren und auch mal was wegzulassen. Weder in meinem Schaffen, noch beim Essen, noch in meinen Online-Kursen oder in meinem Reden. Aber ich konnte darüber lachen und überhaupt konnten alle über sich selber lachen und sich akzeptieren.

Vielleicht ist das alles, was wir bekommen haben: Selbstannahme. Aber das ist ja – wenn man es richtig bedenkt – etwas total Wertvolles, das man auch als Künstler gut gebrauchen kann.