Tradition

Auch der Weg über Tradition und Geschichte kann ins freie Sticken führen. Jedes Land dieser Erde hat eigene Sticktechniken entwickelt und es ist überaus spannend zu erforschen, ob und wie diese Techniken weiterentwickelt wurden – und noch werden können.

Hildegard Bachmann

Hildegard Bachmann

Darüber hinaus können auch Techniken aus dem Bereich des gezählten Stickens ein Ausgangspunkt für freies Arbeiten sein. Man denke nur an „Crazy Kanvas“, wo auf grober Leinwand klassische Stiche mit experimentellen Gestaltungen, Perlen, Knüpfen, Filzen usw. ganz kreativ kombiniert werden können. Oder an „Blackwork“, diese ursprünglich sehr strenge (und doch wunderschöne!) Kombination aus schwarzen Stichelementen, die heute in der modernen Schwarzstickerei wie Bleistiftskizzen oder Kohlezeichnungen eingesetzt werden kann, oder sogar – wie links im Bild – als Portrait.

Quilt mit Nadelspitze

Quilt mit Nadelspitze

Rechts sehen Sie eine Arbeit aus meiner Ausbildung, ein Ammonit, in dem fünf eigentlich ganz traditionelle Techniken angewendet wurden: Nadelspitze, Nadelweben, Hohlsaum, Ajour und Richelieu. Wie frei man diese Techniken arbeiten kann, war mir neu: es gibt mehrlagig vernetzte Nadelspitze, gebogene Hohlsäume, Richelieu-Stege mit Perlen und unregelmäßig überwebte Kettfäden, all diese Gestaltungselemente können einer Arbeit ein modernes und sogenanntes „organisches“ Aussehen verleihen. Traditionelles Sticken interessiert mich also eher nur unter dem Gesichtspunkt, wie es weiterentwickelt werden kann. Wer wirklich traditionelles Sticken als solches kennenlernen möchte, ist bei anderen Stickerinnen sicher besser beraten.

Techniken aus meiner Ausbildung, die eher dem gezählten Sticken zuzurechnen sind:

  • Drache in Kanvas-Stickerei

    Drache in Kanvas-Stickerei

    Kanvas-Stickerei – verschiedenste gezählte Stiche auf Stramin, wobei wie beim Gobelin-Sticken die ganze Fläche gefüllt wird), siehe links, „Drache“

  • Crazy Kanvas (siehe links unten, „Urwald“), die freie Interpretation der o.g. Technik, wobei man auch ins Dreidimensionale gehen kann, dicke Fäden und Gefilztes verarbeiten kann, die Fläche wird vorher bemalt und nicht mehr unbedingt völlig ausgestickt, sondern man kann das Gemalte durchblitzen lassen)
  • Urwald in Crazy Kanvas und Kanvas Shading

    Urwald in Crazy Kanvas
    und Kanvas Shading

    Kanvas Shading – wie Gobelin-Stickerei, aber ganz ohne Vorlage. Man lernt das freie Schattieren und wird dadurch unabhängig von Vorlagen und Zählerei, und erst recht von Farbtabellen!

  • Blackwork – (sie oben, Frau Bachmann) Eine moderne Schwarzstickerei kann wie eine Zeichnung schattiert werden. Oder – ganz traditionell – können unendliche Variationen von Ornamenten in edler Schlichtheit entworfen und gestickt werden. Etwas für Puristen!